Archiv für Januar, 2009

Warum unnötig länger warten?

Veröffentlicht in 1 am 30 Januar, 2009 von julinez

Gestern hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer Mitarbeiterin meines Handyvertraganbieters. Interessant deshalb, weil die Frau mir unbedingt klar machen wollte, dass ich ja eindeutig einen umfangreicheren Vertrag brauche um meinem Konsumverhalten gerecht zu werden und um NOCH MEHR Telefonieren zu können und Bla. Als sie dann meinte “Naja, also Sie BRAUCHEN das ja.“ war die Sache für mich klar.

Ich BRAUCHE nämlich überhaupt keinen Vertrag. Und schon gar keinen, der über meine finanziellen Verhältnisse geht. Allerdings war die Frau mit diesem meiner Gedanken gar nicht happy. Denn als ich ihr erklärte, dass ich lieber meinen Handygebrauch einschränke und einen billigeren Vertrag nehme, war das wohl außerhalb jeder Vorstellungskraft.  Tja. Anscheinend lebe ich da hinterm Mond. Weniger Konsum scheint momentan so gar nicht angesagt in der Branche. W-E-N-I-G-E-R???

Klar, die Frau macht ihren Job. Aber als ich im Netz dann ständig auf Slogans wie „Warum unnötig länger warten – schon Heute…“ oder „Jetzt gleich bestellen“ und „Sofort-Bestellen“ stieß, hatte ich irgendwie keinen Bock mehr. Wollen die Leute einem eigentlich als dumm verkaufen? Wenn die Frau mir klar machen will, dass mein Konsumverhalten ja quasi eine GEGEBNE TATSACHE ist, hat sie vielleicht nicht gerechnet, dass ich als Psychologiestudentin bei so einer Aussage glatt lachen muss. Wobei man ja nun wirklich nicht studiert haben muss um zu wissen: wir müssen nicht jeden Scheiß glauben. Und schon gar nicht kaufen.

Fazit: auch wenn ich meine Vertragsberaterin damit nicht glücklich machen konnte, Konsumverhalten dürfte hin und wieder auch mal hinterfragt werden. Nicht nur das von anderen, sondern sogar das eigene! Also mein Bankkonto wird’s mir danken, dass ich gestern nicht spontan Handy XY plus Vertrag Z bestellt habe. Und um auf meinen Lieblingswerbeslogan von gestern („Warum unnötig länger warten?“) zu antworten: Veilleicht darum, weil Menschen, die warten oder auch mal verzichten können, in der Regel nicht nur relaxter, sondern auch bewusster und gesünder leben?! Oder um es mit der Bibel zu sagen: „Alles im Leben hat seine Zeit“. Selbst das Warten.

Wie ich zu meiner Gemeinde fand und was ich an ihr mag

Veröffentlicht in 1 am 18 Januar, 2009 von julinez

Samstag, 17.01.2009, 19.50Uhr:

Ich sitze auf meinem Bike und radle nach dem Gottesdienst nach Hause. Etliche Gedanken und Gefühle gehen mir durch Herz und Kopf. Gemeinsam haben sie eine schlichtweg positive Färbung: Dankbarkeit. Warum?

Als ich vor einigen Jahren nach Heidelberg zog, dachte ich, dass Gemeindesuche hier ein Kinderspiel sein dürfte. No big deal. Schließlich gibt es hier etliche freie Gemeinden! Stimmt ja auch. Doch wider Erwarten gestaltete sich das Ganze dann so gar nicht als Kinderspiel und immer wieder stellte ich mir frustrierte Fragen: Liegt es an mir? Sind meine Vorstellungen von Gemeinde so abwegig, dass man das nicht finden kann? Habe ich ein Problem, muss ich an meiner Einstellung was ändern…?

Im Sommer letzten Jahres war ich wieder mal an diesem Punkt angekommen und fühlte Reue über meine früheren harten Gedanken über so genannte „Church Hopper“ – Leute, die mal hier und da zum Gottesdienst kommen, aber nirgends verbindlich dazu gehören. Irgendwie fühlte ich mich wie eine von ihnen. Mit einem großen Unterschied: ich lebte mein Church-Hopping, das mich alle paar Monate in eine neue Gemeinde brachte, nicht freiwillig!

Durch diverse Erfahrungen, Gespräche und dem Auseinandersetzen mit meinen Erlebnissen vor Ort, hatte ich inzwischen eine ziemlich klare Vorstellung von dem, was ich mir unter Gemeinde NICHT vorstellte. Was aber WOLLTE ich denn? Ich wollte Menschen, mit denen ich gemeinsam unterwegs sein konnte, die ähnliche Träume träumten, die sich nach Gott und seiner Gegenwart sehnten, ich wollte keine starren Strukturen und Formeln und Listen wo es um Verbindlichkeit ging, sondern dass Begeisterung und Hingabe das gemeinsame (Gemeinde-)Leben so prägt, dass Verbindlichkeit automatisch vorhanden ist. Ich wollte keine Truppe die einen geistlichen Patriarchen als Oberguru anhimmelt, sondern Menschen, die Fehler zugeben können und anschließend wieder aufstehen und Vergebung leben. Wo es nicht darum geht, einen Gottesdienst abzufeiern um dann einfach wie bisher wieder weiter zu leben. Oder wie es in einem Buch so schön heisst: „You don’t GO to church, you ARE the church.“ War das zu viel Wunschdenken?

Mit all diesem Frust und meinen Fragen lernte ich dann im Sommer ‘08 die Vinyard-Gemeinde in Heidelberg kennen. Und mit ihr einen Haufen Leute, die mir auf Anhieb sympathisch waren. Hier hatte ich das Gefühl, dass es nicht um Gottesdienst-Show, blinden Aktivismus oder Druck ging. Jedes Mal wurde ich von jemandem angequatscht, ob ich schon öfters hier war und wer ich denn so sei. Die Predigten vom Pastor waren bibelbezogen, alltagsnah und inspirierend und bald stellte sich bei mir zum ersten Mal seit Ewigkeiten das Gefühl ein: hier will ich bleiben!

Natürlich gibt es da, wo Menschen aufeinander treffen Stress. Für diese Feststellung muss man nicht Psychologie studiert haben. Eine Aussage, die mir in Gesprächen in Bezug auf Gemeindesuche immer wieder begegnete war: „Die perfekte Gemeinde gibt es ja nunmal nicht.“ Ach nein? So ein Schwachsinn! Oder anders: kommt drauf an, was man unter „perfekt“ verstehen mag.

Wenn „perfekte Gemeinde“ bedeutet, dass es nie was geben darf, was mich nervt oder stresst oder mental herausfordert – Ja, dann wird man vergeblich suchen. Trotzdem wage ich die Behauptung, dass es die perfekte Gemeinde gibt. Warum? “Perfekte Gemeinde“ bedeutet für mich, dass ich gewillt bin, mich trotz allen Herausforderungen, auf diesen Haufen Leute einzulassen. Dass ich Bock habe mit ihnen unterwegs zu sein, mich einzubringen, mich selbst verändern zu lassen und mich gemeinsam mit diesen Leuten Gott auszusetzen. „Perfekte Gemeinde“ heisst für mich, dass ich hier Raum und Zeit finde, Begegnungen mit dem lebendigen Gott zu haben – der schließlich perfekt ist!

Und so sitze ich gestern Abend nach dem Gottesdienst auf meinem Fahrrad und bin dankbar, endlich angekommen zu sein. Angekommen bei einer Gemeinde, wo ich Vieles davon entdecke, wie ich mir eine „geistliche Heimat“ vorstelle. Zum Beispiel:

  • Menschen, mit denen man unterweg sein will weil sie die Richtung einschlagen in die man selbst gehen möchte. Leute, die offen sind und einem das Gefühl geben, willkommen zu sein.
  • Authentizität, Transparenz, Fehlerkultur, Freiraum
  • Lobpreis, der nicht über Gott singt, sondern sich direkt an ihn richtet – echt, offen, schlicht, hungrig, ehrlich.
  • Input, der im Alltag Relevanz findet und inspiriert
  • Leidenschaft für Menschen vor Ort, für Heidelberg, für Leute, die Jesus noch nicht kennen
  • Struktur, die den Leuten dienen soll, nicht umgekehrt.
  • Sehnsucht nach Gott, seiner Gegenwart, seinem Wirken, seiner Korrektur und Liebe.

Und während ich so im Dunkeln nach Hause radle, bin ich einfach mega dankbar, dazugehören zu können. Danke, Gott. Ich freu mich auf dieses Jahr mit dir und diesen Leuten!

PS: Wer mehr über die Vineyard-Bewegung wissen mag, sollte sich Pastor Marlins Buch anschaffen: „Natürlich Übernatürlich. Die Geschichte der Vineyard-Bewegung – Von den Anfängen der Hippie-Bewegung bis zu neuen Gemeinden im postmodernen Europa“.

Alltags-Analogie (Nr. 6): Konserve oder Frisch?

Veröffentlicht in Gemischtes mit Tags am 15 Januar, 2009 von julinez

Bei uns wurde heute das Wasser abgedreht. Nicht weil wir etwa unsere Rechnungen ignoriert hätten, sondern zwecks einem Rohrbruch in unserer Straße. Also hämmerten und bohrten die Handwerker den lieben langen Tag und unser Haus war ohne Wasser – dafür gab’s kostenlos extra Lärmzulage.

Das Ganze hatte aber auch etwas Gutes: bevor das Wasser abgedreht wurde, hatte ich immerhin etwa 2 Minuten Zeit um im Vorfeld etwas Wasser zu retten für die nächsten Stunden. Also hab ich fröhlich leere Behälter gefüllt.  Gleich ein paar mehr – für alle Fälle. Und dabei gedacht wie genial es doch ist, dass das klare Wasser ansonsten 24/7 zur Verfügung steht! Dass wir nicht ständig mit Wasserknappheit rechnen oder Gammelwasser aus Behältern verwenden müssen.

Genauso bei Gott: abgefüllt in unseren kleinen Gefäßen schmeckt Gott ziemlich bald ziemlich fade.  Wir haben vielleicht ein Stück von IHM konserviert – in Büchern, CDs, mp3… Ab und zu konsumieren wir dann mal ein bisschen. Und vielleicht reicht es sogar zum Überleben. Aber wirklich prickelnd ist das kaum. Kein Wunder! Genauso wenig wie unsere WG dauerhaft von meinen angelegten Wasserreserven leben kann, genauso wenig kann die Beziehung zu Gott nur aus Konserven bestehen. In Psalm 23 heisst es: „Er (Gott) führt mich zum frischen Wasser“. Begegnung mit Gott hat nichts Fades und Abgestandenes. Wenn das so scheint, kann ein Checken der Bezugsstelle nicht schaden: Konserve oder Frisch?

Zum Weiterdenken: Kenne ich Gott nur aus Konserven? Habe ich regelmäßig Begegnungen mit einem lebendigen Gott? Wo lebe ich aus gammeligen Konserven anstatt direkt zu Gott zu gehen?

Buchempfehlung

Veröffentlicht in 1 am 11 Januar, 2009 von julinez

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Zum Thema Geben (siehe letzer Blogeintrag) ein tolles Beispiel: letztes Jahr zum Geburtstag schenkte mir eine Freundin dieses Buch. Danke! Bob Sorge schreibt in diesem in kurze Kapitel eingeteilte Buch über seine Entdeckungen und Erkenntnisse während persönlicher Zeiten mit Gott. Oder wie der Titel sagt: Secrets of the Secret Place. Aus dem Inhaltsverzeichnis u.a. :

  • The Secret of Listening
  • The Secret of No Plan B
  • The Secret of Desperation
  • The Secret of Being Known
  • The Secret of Walking with God

Aus dem Abschnitt „The Secret of Just Loving Him“:„The time I enjoy my kids most are when they are enjoying my company or expressing their affection to me. When they do so, it’s never with fancy words or careful decorum. They might even be clumsy or unsure of how to express themselves. It might be the simplest expression, or maybe just a kiss without any words whatsoever, but it melts my heart. Lord, grant me the freedom to be childlike in Your presence.“ (Bob Sorge, Secrets of the Secret Place, p. 172)

Was tun um 2009 glücklicher zu werden als 2008?

Veröffentlicht in Gemischtes mit Tags am 5 Januar, 2009 von julinez

Um es kurz zu machen: Geld für andere ausgeben! Denn Forschungsergebnisse zeigen: Menschen, die Geld für andere ausgeben, zeichnen sich durch höhere Werte in  ihrem Glücksempfinden und ihrer Zufriedenheit aus, als diejenigen, die Geld v.a. für sich selbst ausgeben (aus „Glück kann man doch kaufen“, Psychologie Heute, Ausgabe 1/09, S. 13).  Interessanterweise spielt die Höhe des eigenen Einkommens dabei keine Rolle. Der entscheidende Faktor war also lediglich, wofür bzw. für wen Personen ihr Geld ausgaben – sich selbst oder andere.

Glück lässt sich also kaufen. Zumindest dann, wenn man sein Geld für andere investiert. Wer 2009 also glücklicher sein möchte als noch in 2008 sollte sich ein paar Namen oder Projekte überlegen, in die er/sie die kommenden Monate Geld investieren möchte. Wie gesagt spielen Beträge dabei keine entscheidende Rolle. Das Ganze funktioniert auch im low-budget-Bereich.  Und so hat die Wissenschaft inzwischen also auch bestätigt, was schon in der Bibel steht: 

„Geben macht glücklicher als Nehmen.“ (Apostelgeschichte 20,35) 

Gebet für 2009

Veröffentlicht in Gemischtes mit Tags am 3 Januar, 2009 von julinez

Prayer of St. Francis
(Artist: Trinity Vineyard; Album: Prayer of the Saints)

Make me an instrument of peace
Where there is hate let me sow love
Where there is hurt let me bring Your healing

Make me an instrument of peace
Where there is fear let faith arise
Where there is dark let me be Your light

Make of me, Your hands and feet
I want to be, to the people around me
You want to be, to the people around me

It’s in the loving we find love
It’s in the giving we receive
It’s in the dying we are found