Heute Morgen wurde ich an eine Begegnung erinnert, die ich neulich in der Heidelberger Innenstadt hatte und die in mir ein Gefühl auslöste, das sich wohl am besten als Reue bezeichnen lässt.
Ich kam von der Bibliothek und war völlig in Gedanken, als mich plötzlich eine ältere Frau, die recht fertig aussah, um Kleingeld bat. Fast automatisch murmelte ich „Nein, tut mir Leid“ und ging weiter. Aber kaum war ich drei Schritte weiter, schoß mir wie ein Blitz ein Bibelvers durch den Kopf: „Silber und Gold habe ich nicht. Doch was ich habe, gebe ich dir.“ Damals waren Petrus und Johannes vor dem Tempel von einem gelähmten Bettler um Kleingeld gebeten worden. Petrus erklärte dem Bettler, dass sie ihm zwar kein Geld geben könnten, aber dass sie etwas Anderes hätten. Petrus heilte den Mann im Namen Jesus und dieser sprang vor Freude und lobte Gott ( siehe Apostelgeschichte 3).
Und bei mir? Da war diese Frau, die offensichtlich Probleme hatte und um Kleingeld bat. Ähnliche Story, ein paar Tausend Jahre später. Auch wenn ich ihr wirklich nichts Materielles hätte geben können, so hätte ich ihr doch wenigstens ein paar Minuten meiner Zeit anbieten können. Wer weiß, was aus einem Gespräch mit ihr entstanden wäre?! Ich hätte sagen können: „Ich kann Ihnen kein Kleingeld geben, aber ich unterhalte mich gerne ein bisschen mit Ihnen.“ Sie hätte ja immer noch ablehnen können. Aber ich war so in meinem Trott und innerhalb von Sekunden war die Chance vertan.
Reue. Ich weiß, dass ich nicht bei diesem Gefühl stehen bleiben muss. Damit würde ich niemandem helfen und es wäre noch nicht mal das, was Gott hier möchte. Aber trotzdem hat mir diese Mini-Begegnung geholfen: sie hat mich sozusagen dermaßen frustriert, dass ich hoffe, das nächste Mal mit offeneren Augen durch die Gegend zu laufen. Und vor allem mit einem offenen Herzen.
