Heute wird es etwas länger. Aber das folgende Thema lässt sich schwer kurz fassen…
Schreibe dieser Tage für „dran“ an einem kurzen Artikel über das Buch „Die fünf Sprachen des Verzeihens“ von Gary Chapman & Jennifer Thomas. Diese beschreiben, dass Menschen nicht nur unterschiedliche Arten haben, ihre Liebe und Zuneigung auszudrücken, sondern auch wenn es darum geht „Es tut mir Leid“ zu sagen. Ein Buch, das sicher dazu beitragen kann, sich Gedanken zu machen, wie eigentlich die eigene Sprache des „Es tut mir Leid“-Sagens aussieht und wie das wohl bei anderen ist bzw. ankommt?!
An einigen Stellen habe ich jedoch etwas Bauchschmerzen bei den Aussagen der Autoren – v.a. seit ich bei der „IGNIS-Akademie für Christliche Psychologie“ an einem Seminar „Vergebung in der Psychotherapie“ teilgenommen habe (s. Lese-Tipp).
a)In der Einleitung steht:
„… dass Männer und Frauen nicht nur verschiedene Liebessprachen, sondern auch verschiedene Sprachen des Bittens um Verzeihung benutzen. (Das ist ein bisschen lang, und deshalb sprechen wir im weiteren Text nur noch von den fünf Sprachen des Verzeihens.)…“
Kann man das – den Vorgang des „Bitten um Verzeihung“ kürzen auf „Verzeihen“?! Ich seh da einen großen Unterschied und die Gefahr das Eine mit dem Anderen gleichzusetzen. Und zwar auf verschiedenen Ebenen von Denken, Fühlen und Handeln. Doch während Verzeihen und Vergeben v.a. ein innerer Prozess ist, bezieht sich das Bitten um Verzeihung auf einen äußeren Vergebungs- oder Versöhnungsprozess. Eine Trennung dieser beiden Prozesse ist jedoch äußerst wichtig! Das äußere Handeln ist meist erst machbar und sinnvoll wenn der innere Prozess eine gewisse Tiefe erreicht hat. Ansonsten bleibt es eine leere Floskel, die im schlimmsten Fall dazu beiträgt, dass man oberflächlich meint, alles sei geklärt und somit den inneren Vergebungsprozess behindert oder vorzeitig abbricht.
b) Verzeihung scheint ein Stück instrumentalisierbar. Etwas überspitzt: ich lerne „die richtige Sprache des Verzeihens“ und alles wird gut. Aber gerade in christlichen Kreisen steht die Aufforderung zur Entschuldigung und Versöhung häufig sehr im Mittelpunkt. Die (christliche) Psychologie kennt daher den Begriff „gepushte Vergebung“: Menschen werden gedrängt Entschuldigungen auszusprechen oder anzunehmen -als wäre diese äußere Versöhnung am wichtigsten. Aber ist das so?
Besser fand ich da die Aussagen in einem Skript zum Thema „Vergebung und Versöhnung“ von Wolf-Dieter Hartmann:
Vergebung
…kann ein langer Prozess sein
…ist nicht von einem Geständnis abhängig
…fordert keine übereinstimmende Auffassung von der Vergangenheit
…bedeutet, mein natürliches Recht auf Rache loszulassen
…bedeutet nicht: Vergessen
…bedeutet, Unrecht nicht immer wieder zur Sprache zu bringen
…bedeutet nicht, das Verhalten einer anderen Person zu entschuldigen
…ist leichter, wenn wir in Gottes Vorsehung (Vorsorge, Fürsorge) ruhen
…bedeutet nicht immer, wieder zu vertrauen
…ist unvollständig, bis Liebe die Wut ersetzt
Oder wie es Chapman & Thomas in Kapitel 8 ihres Buches ausdrücken: „Manchmal sind wir so tief verletzt worden, dass wir uns in der Tat nicht gleich überwinden können, eine Vergebung auszusprechen. Wir brauchen dann Zeit, und unser emotionales Gleichgewicht muss wiederhergestellt werden… In der Zwischenzeit muss er (der Vergebende) im Gespräch mit Gott seine Gefühle verarbeiten, damit seine Verzagtheit nicht noch in Bitterkeit und Hass umschlägt.“
Nicht die Zeit heilt alle Wunden. Das tut ein Anderer: GOTT.