Als ich vor etwa 2 Jahren mit dem Joggen anfing, sah das folgendermaßen aus:
Ich war für ein Auslandssemester in Dänemark und wohnte in einer 12er-WG auf einem großen Wohnheimcampus außerhalb von Aarhus, Dänemarks zweitgrößter Stadt. Hinter dem Wohnheim lagen ein paar Felder mit Teichen, Bäumen und kleinen Naturpfaden – die optimale Umgebung zum Joggen. Das Problem war nur Eins: Meine Kondition war unter Null und das dänische Wetter im Februar lud nicht gerade ein, sich draußen auszutoben. Trotzdem hatte ich das Bedürfnis nach Sport und somit stand mein Entschluss fest: ich würde mit dem Joggen anfangen!
Mein Plan war zunächst ganz easy mit einem Intervall-Training anzufangen: 1 Minute Gehen, 1 Minute Laufen. Das Ganze würde ich dann alle paar Tage um weitere Minuten verlängern. Gesagt, getan. Hochmotiviert zog ich mir eines Morgens meine Turnschuhe an und legte los. Meiner WG verkündigte ich stolz, dass ich von nun an JEDEN Morgen mindestens 30 Minuten in der Pampa laufen würde. Die Jungs lachten nur und meinten, dass ich das keine Woche durchstehen würde.
Das spornte mich natürlich nur umso mehr an – and to make a long story short: es hat funktioniert. Jeden Morgen (ich hatte zum Glück nie vor 12Uhr Uni) lief ich meine Runden um die diversen Teiche und kreuzte über die Felder. Anfangs waren schon 2 Minuten Durchlaufen eine Herausforderung. Mit der Zeit ging es besser und nach einigen Wochen Durchhalten trotz Schnee und Regen war es soweit: ich lief meine ersten 30 Minuten am Stück! Inzwischen liebe ich das Joggen und habe dadurch Etliches gelernt, das sich auf alle möglichen Lebensbereiche übertragen lässt, wo es um Ausdauer geht:
1. Habe dein Ziel vor Augen. Ohne meinen Vorsatz irgendwann mindestens 30 Minuten am Stück laufen zu können, hätte ich sicherlich nach wenigen Tagen aufgegeben. Ein fester Entschluss, ein Ziel hilft bei Schwierigkeiten die Zähne zusammen zu beißen, den Blick auf das Ziel zu richten und durchzuhalten -no matter what.
2. Fang klein an. Man kommt sich reichlich bescheiden vor wenn man im 1-Minuten-Takt durch die Prärie strampelt. Recht uncool das Ganze. Doch kleine Teilziele stehen im Dienst des übergeordneten Endziel und helfen dieses zu erreichen. Überforderung ist selten ein guter Ratgeber oder Helfer auf dem Weg. Kleine Schritte halten die anfänglichen Hürden gering und erhöhen die Wahrscheinlichkeit Fortschritt zu machen – und auch wahrzunehmen. Ein cooles Gefühl wenn man merkt, dass man plötzlich 5, 10, 15 Minuten durchhält!
3. Sei ausgeschlafen.
4. Gib niemals auf. Das Durchhalten ist ein Schlüsselfaktor beim Antrainieren neuer Verhaltensweisen. Entschlossenheit und das Feiern von Teilsiegen dienen dabei der Motivation. Sich bei Rückschlägen oder scheinbarem Stillstand nicht vom Vorhaben abhalten zu lassen ist unabdingbar wenn man weiterkommen will. Konkrete Formulierungen helfen dabei: “Ich werde jeden Morgen nach dem Frühstück loslaufen, egal wie ich mich fühle oder wie das Wetter ist.”
5. Rüste dich aus. Nach einigen Wochen habe ich gemerkt, welchen Unterschied die richtige Kleidung macht: nachdem ich mir neue Laufschuhe gekauft hatte, machte das Ganze noch mehr Spaß, Gelenke und Co. blieben geschont. Die nötige und richtige Ausrüstung ist wichtig und es lohnt sich zu investieren.
6. Sei flexibel. Selten macht es im Leben Sinn, Dinge blind durchzuziehen. Die Zielforschung zeigt, dass Personen, die sich Ziele setzen, dennoch fähig sind, flexibel auf Umweltreize zu reagieren. Das soll heißen, dass man Rahmenbedingungen oder Veränderungen nicht ignoriert, sondern zu seinem Vorteil nutzen kann. Das mag heißen, dass man an manchen Tagen langsamer läuft, weil es das Wetter oder der Körper fordert, oder sich Auszeiten nimmt, wenn es Sinn macht. Es gab auch Tage, an denen ich nicht gelaufen bin, weil wir z.B. schon Schwimmen und Squashen gehen wollten. Flexibilität steht nicht im Widerspruch zur Zielbindung.
7. Genieße das Ganze. Entschlossenheit und ein gewisser Kampfgeist sind sicher erforderlich um ein neues Vorhaben in die Tat umzusetzen. Mindestens genauso wichtig ist es aber, das Ganze auch zu genießen. Wer nur aus Kampfgeist Dinge im Leben angeht, verpasst das Beste und wird schnell verkrampft. In meinem Fall habe ich jeden Morgen die herrliche Landschaft und die frische Luft genossen – egal ob ich langsam oder schnell gelaufen bin. Wer sich nur eins abkrampft, gibt schneller auf. Wer auch genießen kann, hält länger durch. Oder anders gesagt:
“Enjoy the journey on the way where you’re going.” (Joyce Meyer)